Ich habe mich oft gefragt, wie es sein kann, daß sich ein Designer, der doch dazu angehalten ist, in der Zukunft nach Form und Funktion zu suchen, in der Ästhetik vergangener Epochen verliert. Genauso, wie ich mit Begeisterung klassische Musik höre, ohne auf die tausend Varianten aktueller Rythmen zu verzichten, genieße ich die Linien und Klassen der Autos, die zwar technisch gesehen überholt, aber dennoch beispielhaft für ihre Schönheit sind.
Jedenfalls sind sie das nach meinen Kriterien und meiner Lebensauffassung
Dies sind die Fahrzeuge, die mir Freud und Leid verursacht haben, die mich hierhin und dorthin gebracht haben und die die Verwirklichung eines Traums waren. Wie auch die Menschen, haben sie sowohl ihre guten als auch schlechten Seiten. An alle habe ich eine unauslöschliche Erinnerung, an die Freude, die sie mir gebracht haben und die schönen Momente, die wir miteinander geteilt haben.

CITROEN TREFLE ,Baujahr 1927.
Alias "Monster".
Mein erstes Auto. Meine Mutter schenkte es mir, als ich Student war. Ich glaube, es hat 25.000 Pts gekostet. Zuerst war es weiß, dann grün und später rot. Es fuhr eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h, bei der man um sein Leben bangen mußte, denn es hatte kein Ausgleichsgetriebe und schleuderte in den Kurven wie verrückt. Die Reisegeschwindigkeit lag bei 30 km/h und so legte ich einige Male die Strecke San Sebastian - Barcelona zurück. Die Rad-Aufhängung begünstigte die schlechte Bodenhaftung. Es gab nur eine Tür, die des Beifahrers. Er hatte einen Magnetzünder und das Benzin floß per Schwerkraft (eine Pumpe gab es nicht). Der Vergaser bestand aus einem Kristallgläschen, durch das der Treibstoff lief und in dem sich die Unreinheiten absetzten. Auch wenn er einen Anlasser hatte, so mußte man dochmeistens die Handkurbel benutzen. Und so habe ich mir eines Tages das Handgelenk gebrochen. Die Surfbretter haben wir verladen, wie es eben ging oder wir haben die Frontscheibe abgenommen und sie zwischen dem Sitz und der freien Stange abgestützt. Im Stich gelassen hat er mich nie. Zum Schlafen bin ich immer zu Hause gewesen, auch wenn es manchmal spät wurde
Jetzt ist er auf Husum in Deutschland, wohin ich ihn 1988 verkauft habe. Es war das witzigste Auto, was ich je in meinem Leben besessen habe oder besitzen werde. All meine Erinnerungen an ihn sind positiv und es gibt etliche witzige Anekdoten.

VOLKSWAGEN 1200, Baujahr 1971.
Alias "Käfer"
1987 erwarb ich ihn für 300.000 Pts. von Manel Casas. Wir haben gemeinsam etliche Reisen unternommen und er hat mich nie im Stich gelassen. Technisch gesehen das beste Auto, daß ich je besaß. Ich werde ihn bis zum Ende aufheben (meines Endes natürlich, denn er ist unsterblich)

JAGUAR MK1, Baujahr 1955.
Ohne Alias.
Erworben habe ich ihn 1989, als mein Ansehen als Designer, und als Konsequenz daraus auch meine Abrechnungen, ihre besten Zeiten hatten. Die Freude daran währte nicht lange, denn man hat ihn mir gestohlen. Er war so außergewöhnlich elegant, daß andere Autos mir Platz machten und die Vorfahrt gewährten. Wo ich entlangfuhr, entwickelte sich Höflichkeit unter den Fahrern, etwas wirklich Erstaunliches in einer Stadt der heutigen Zeit. Ästhetisch gesehen das wundervollste Auto, daß ich je besessen habe. Man kann sagen, daß es ein Auto ist, das allen, egal welchen Naturells, Geschlechts oder Alters, gefällt.

VOLKSWAGEN Brezelfenster, Baujahr 1952.
Ohne Alias.
1990 fand ich ihn zerstört in Manresa. Ich habe ein Vermögen dafür ausgegeben, ihn so gut ich konnte zu restaurieren. Und es fehlt noch so viel Aber das Thema Mechaniker ist der reine Wahnsinn. Wenn sie nicht deutsch sind, berauben sie Dich, wo sie nur können und wenn Du nicht aufpaßt, betrügen sie Dich. Derzeit hütet ihn eine wahre Eminenz in Sachen Vintage Volkswagen, Pau Casas.

RENAULT 4L , Baujahr 1979.
Alias "Katxi-batxe" und "Jaguar".
Gekauft habe ich ihn im Frühjahr 1999 für 150000 Pts von "Hernandez und Fernandez" und derzeit befindet er sich auf Formentera. Tut er sich auch beim Anlassen etwas schwer, so ist es doch ein wundervolles Auto für die Insel und ihre beachtlichen Wege. Er hat mich nie im Stich gelassen und ist extrem geeignet, Frachten zu befördern. Das Lenkrad ist "molon-molon", und David hat viel Spaß damit. Wirklich ein nützliches Auto. Und sehr diskret

VOLKSWAGEN T-181 Baujahr 1976.
Alias "Tanker", unvermeidlich.
Erstanden habe ich ihn im Sommer 1999 nach einigen Jahren der Suche. Das Geräusch des Motors ist unverwechselbar und wundervoll. Es ist ein Genuß, des Nachts ohne Verdeck über die Insel zu fahren. Der Geruch nach Thymian und Rosmarin vereint mit dem Schauspiel, das die Sterne im Sommer bieten, ist eine unvergeßliche Erfahrung. Ein Auto zum Bewahren und Pflegen. Noch eines, das mich überleben wird.





"La vida se comprende hacia atrás pero se vive hacia adelante".
Kierkegaard

 

 

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